Das Buch

Walter Schmidt – Rushhour des Lebens

Vereinbarungskarrieren” im Brennpunkt des Konflikts zwischen Berufs-  und Familienorientierung

 

Rushhour des LebensEs ist an der Zeit, dass wir Menschen lernen, aus uns heraus, mit eigener Kraft, ein familiengerechtes Leben zu führen. Dieses Buch weist Ihnen einen möglichen Weg.

Im Konflikt zwischen moderner Arbeitswelt und Familie wird zunehmend nach praktikablen Lösungen gesucht. Besonders wichtig ist das für junge berufstätige Paare in der „Rushhour des Lebens, wenn beide Partner zugleich im Beruf und bei der Erziehung ihrer Kinder gefordert sind. Walter Schmidt spürt die Gründe für die scheinbare Unvereinbarkeit in Werten und Einstellungen auf und entwickelt ein Modell zur besseren Bewältigung der Belastungen, indem er das von Aaron Antonovsky vorgestellte Konzept der Salutogenese und das der Dienenden Führung nach Robert K. Greensleaf auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie anwendbar macht. Die Lösung liegt für ihn in grundsätzlichen Verhaltensänderungen der Beteiligten, die die Ressourcen des einzelnen in seinen Beziehungen aktivieren, um Konfliktsituationen besser begegnen und insgesamt ein glücklicheres Leben führen zu können. Basis ist dabei das Kohärenzgefühl, also die Überzeugung, in einer Welt zu leben, die grundsätzlich verständlich ist, Ressourcen zur Lösung von Problemen bereithält und Anstrengungen belohnt. Dieses Gefühl kann durch einen bewussten Umgang mit den eigenen Emotionen und Beziehungen sowie durch Übungen wie die vom Autor vorgestellten „Partner-Landkarten entwickelt und gefördert werden.

Schmidt zeigt die Gemeinsamkeiten der Konzepte von Antonovsky und Greensleaf auf und erläutert, wie sie verschränkt werden können, um erfolgreiche „Vereinbarungskarrieren zu ermöglichen, die die beruflichen und familiären Ansprüche zusammenbringen.

Inhaltsverzeichnis (als pdf-Datei)

Leseprobe (als pdf-Datei)

 

 

Vortrag zum Buch “Rushhour des Lebens” an der Ordenshochschule “Sapientia” in Budapest am 10. Oktober 2012:

 

 

Seminarveranstaltung

an der Ordenshochschule „Sapientia“ in Budapest

am 10. Oktober 2012

   

„Balance zwischen Beruf und Familie“

 

 

Referent:

Dipl. Kfm. Dr. Dr. Walter Schmidt

 

 

 

 

 

 

 

Balance zwischen Beruf und Familie

Inhalt

 

 

  • Einleitung

 

  • Der Konflikt zwischen Beruf und Familie geht unter die Haut

 

  • Wie können wir diesen Konflikt lösen

 

  • Die Schlüssel zur Lösung

- Das Kohärenzgefühl der Salutogenese

- Die Dienende Führung

- Koevolution der beteiligten Partner

 

  • Chancen für unsere Wertegemeinschaft

 

  • Perspektiven und Handlungsbedarf

 

 

 

 

 

 

 

  • Einleitung

Wir alle leben in einer Welt, in der persönliches Glück und Zufriedenheit ebenso wichtig sind wie beruflicher Erfolg, der ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellt. Was aber passiert, wenn die Balance zwischen diesen beiden Lebensbereichen aus den Fugen gerät.

Dann stehen wir mitten in einem Konflikt, den wir lösen müssen, wenn wir unseren Seelenfrieden wiedergewinnen wollen. Wie machen wir das? Bevor ich Ihnen Lösungen anbiete, muss ich Sie fragen, welche Lösungen Sie für Ihr künftiges Leben brauchen werden. Das hängt davon ab, ob Sie selbst eine Familie im christlichen Sinne gründen wollen oder aber als Priester und Ordensleute junge Familien bei der Bewältigung des Konfliktes beraten wollen. Im einen Falle brauchen Sie zur Konfliktlösung mehr Liebe als Kompetenz und im anderen Falle mehr Kompetenz als Liebe – aber in beiden Fällen ist beides notwendig. Um als erwachsener Mensch eine Balance zwischen Beruf und Familie zu finden, brauchen wir in der Zeit des Heranwachsens von Kindern und jungen Menschen die Familie als „Schule der Gefühle“. In dieser Lebensphase bilden sich die Ressourcen heraus, die Sie später brauchen um den Konflikt zwischen Beruf und Familie zu lösen oder lösen zu helfen.

Das Familienleben ist die erste Schule für das emotionale Lernen. Im täglichen Umgang mit ihren Eltern lernen Kinder, was sie selbst empfinden sollen und wie andere auf ihre Empfindungen reagieren. Diese Schule der Gefühle erfolgt nicht bloß mittels der Dinge, die Eltern ihren Kindern direkt sagen oder die sie mit ihnen machen, sondern über die Vorbilder, die sie abgeben bezüglich des Umgangs mit ihren eigenen Gefühlen und mit den Gefühlen, die zwischen Mann und Frau ausgetauscht werden. Von ihren Eltern lernen Kinder, dass sich unterzuordnen, Verzicht zu üben und allmählich zu Selbstdisziplin zu finden, Vorraussetzung für ihr eigenes Glück ist. Sie lernen, dass das Glück, das einer schöpferischen Anstrengung folgt von größerer Dauer ist, als das Glück, das einem in den Schoß fällt. Denn das Glück der Anstrengung findet die Anerkennung der Eltern, regt eher zur Nachahmung als zum Neid anderer an und ist wiederholbar ohne sich abzunutzen. Bernhard Bueb[1] stellt dazu fest: „ Das Glück der Anstrengung fällt Jugendlichen heute nicht als erstes ein, wenn von Glück die Rede ist. Sie kennen oft nur das Glück der Animation, das von außen kommt. Fernsehen, Internet und Computer sind eine Quelle des Glücks, Drogen, Alkohol und Zigaretten eine andere Quelle. Reichtum sorgt für Glück, attraktive Körper führen zu erotisch-sexuellem Glück. Gegen diese Versprechen von Glück scheint das Glück der Anstrengung wenig Chancen zu haben.“ Deshalb kommt es auf die Vorbildfunktion der Eltern und Erzieher bei der Ausbildung der emotionalen Intelligenz der Kinder in besonderem Maße an. Die Art, wie Eltern ihre Kinder behandeln – ob mit Disziplin oder empathischem  Verständnis oder mit bequemer übermäßiger Toleranz oder gar Gleichgültigkeit – hat für das Gefühlsleben des Kindes tiefgreifende und bleibende Folgen.Daraus ergibt sich, dass allein schon die Tatsache, emotional intelligente Eltern zu haben für das Kind ein enormer Vorteil ist. Die Art und Weise, wie Ehepartner mit den Gefühlen füreinander umgehen, vermittelt eindrückliche Lektionen, denn Kinder sind in der Lage, auch subtile emotionale Vorgänge zwischen den Eltern aufzufangen. Kinder von emotional klugen Eltern zeigen größere Zuneigung zu ihren Eltern und haben weniger Spannungen mit ihnen. Sie können außerdem mit ihren eigenen Gefühlen besser umgehen, sind seltener aufgeregt und wenn doch, beruhigen sie sich leichter. Sie tragen damit selbst zu einem konfliktarmen Familienleben bei. Auch außerhalb der Familie gewinnen diese Kinder schneller soziale Anerkennung, sind bei Altersgenossen beliebter und werden von ihren Lehrern als sozial geschickter eingeschätzt und sind weniger aggressiv. Außerdem sind sie aufmerksamer und lernen daher besser. Bei gleichem IQ hatten Grundschüler, deren Eltern bessere soziale Lehrer waren, bessere Noten im Rechnen und Lesen. „Eltern“ sagt Brazelton[2] „müssen verstehen, wie ihr Handeln dazu beitragen kann, das Selbstvertrauen, die Neugier, die Freude am Lernen und die Einsicht in die eigenen Grenzen zu schaffen“, die den Kindern zum Erfolg im Leben verhelfen. Grenzen zu schaffen“, die den Kindern zum Erfolg im Leben verhelfen. Das Kind muss selbstsicher und aufgeweckt sein, es muss wissen, was für ein Verhalten von ihm erwartet wird, und den Impuls zu schlechtem Betragen zügeln können. Es muss fähig sein, Anweisungen zu befolgen, aber auch seine Bedürfnisse äußern, um mit den Eltern, Geschwistern und anderen Kindern gut auszukommen. Goleman[3] fasst die elementaren Fähigkeiten, die emotional intelligente und kompetente Eltern ihren Kindern vermitteln können, wie folgt zusammen:

 

1. Selbstvertrauen. Ein Gefühl, seinen Körper, sein Verhalten und die Welt kontrollieren und meistern zu können; das Kind hat das Gefühl, dass das, was es unternimmt, in der Regel gelingen wird und dass Erwachsene ihm helfen werden.

2. Neugier. Das Gefühl, dass es positiv ist und Freude bringt, etwas herauszufinden

3. Intentionalität. Der Wunsch und die Fähigkeit eine Wirkung zu erzielen und beharrlich an ihr zu arbeiten. Dies hängt eindeutig zusammen mit einem Gefühl der Kompetenz, dem Gefühl, etwas zu können.

4. Selbstbeherrschung. Die Fähigkeit, das eigene Handeln altersgemäß zu regulieren und zu kontrollieren; ein Gefühl innerer Kontrolle.

5. Verbundenheit. Die Fähigkeit sich auf andere einzulassen, basierend auf dem Gefühl, von anderen verstanden zu werden und andere zu verstehen.

6. Kommunikationsfähigkeit. Der Wunsch und die Fähigkeit, sich über Ideen, Gefühle und Vorstellungen verbal mit anderen auszutauschen. Dies hängt zusammen mit einem Gefühl des Vertrauens zu anderen und der Freude sich mit anderen, darunter auch Erwachsenen, einzulassen.

7. Kooperationsbereitschaft. Die Fähigkeit in gemeinsamer Aktivität die eigenen Bedürfnisse mit denen anderer abzustimmen.“

 

Ob ein Kind diese Fähigkeiten erlernt und im Laufe seiner Ausbildung einsetzen und vertiefen kann, hängt zum großen Teil davon ab, ob Eltern und Erzieher nicht nur ihrer emotionalen Vorbildfunktion gerecht werden, sondern aktiv ihre emotionale Kompetenz auf die Kinder übertragen können.

Mit kompetenter Kindererziehung haben Sie zwar ihre Kinder fit gemacht für die Lösung künftiger Konflikte. Sind Sie selbst aber in der Lage, ihre eigenen partnerschaftlichen Konflikte in Beruf und Familie zu lösen

  

 

 

  • Der Konflikt zwischen Beruf und Familie geht unter die Haut

 Wohl kaum ein Konflikt hat in den vergangenen Jahrzehnten unsere europäische Gesellschaft so geprägt wie das Ringen von Frauen und Männern um Chancengleichheit in allen gesellschaftlich relevanten Bereichen. Der Zielkonflikt zwischen beruflichem Erfolg und harmonischer Familiengestaltung ist gleichsam der „Hotspot“ dieses Ringens, denn die überwiegende Zahl der Menschen in unserer Gesellschaft ist davon direkt oder indirekt betroffen. Dabei ist unser Ehemodell eigentlich nicht der Standard der Welt, weil die Gesellschaften anderer Kulturen weit weniger auf Paare fokussiert sind. In unserer paar-zentrierten Gesellschaft machen Arbeit und Beziehung Glück und Zufriedenheit der Menschen aus, wenn sie einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Die gesellschaftliche Realität offenbart jedoch keine Harmonie, sondern ein komplexes mehrdimensionales Konfliktnetz, das in unterschiedlichen Lebensphasen verschiedene Ausprägungen durchläuft und Gestaltungszwänge im dyadischen Konstruktsystem von Mann und Frau auslöst. Im Mittelpunkt dieser Diskussion steht der Begriff der „Vereinbarungskarriere“, als jene Karrierephase, in der Erwerbsarbeit und Elternschaft – insbesondere die Verantwortung für noch nicht selbstständige Kinder – aufeinandertreffen und gestaltet werden müssen. Wir betrachten vor allem die jüngeren männlichen und weiblichen  Führungskräfte mit 5-10 Jahren Berufserfahrung und heranwachsenden Kindern im Vor- und Grundschulalter. In dieser Lebens- und Laufbahnphase entbrennt der Konflikt zwischen Berufs- und Familienorientierung am heftigsten, da sowohl der berufliche Aufstieg, als auch die Fürsorge für die heranwachsenden Kinder höchsten Einsatz erfordern.

 

Die Situation verschärft sich, wenn ein Umbruch der Wertvorstellungen und Lebensverhältnisse eintritt, weil eine große Zahl berufstätiger Menschen in Europa nicht mehr wirklich identisch mit ihren beruflichen Zielen ist, sondern eine kognitive Dissonanz zwischen Zielsetzung und Identifikation aufgebaut hat, wobei die Frustration mit zunehmendem Lebensstandard steigt und die Menschen sich immer mehr Selbstverwirklichung wenn möglich außerhalb von Beruf und Familie wünschen. Die Frustrationsdichte, der die Menschen ausgesetzt sind, bzw. sich selbst aussetzen, steigt. Trotz abnehmender Arbeitsmotivation ist Karriere für viele jüngeren Führungskräfte aber ein Lebensziel, das Annerkennung Einkommen und Macht verschafft.
Die Führungskräfte müssen Spitzenleistungen in zwei Welten erbringen, deren Regeln konträr auseinander liegen. Was in der Berufswelt als Muss-Kriterium gilt, belastbar, widerstandsfähig und unsentimental zu sein, wird in der Familienwelt, in der Zärtlichkeit, Wärme und Einfühlsamkeit gewünscht wird, missverstanden.

Das Spannungsfeld der Doppelbelastung durch Beruf und Familie wächst von Tag zu Tag. Entscheiden sich Männer oder Frauen für eine der beiden Seiten, fallen sie aus dem Erfolgsmuster der jeweils anderen Seite heraus. Es wird eng zwischen “Burn-Out“ und unverbindlicher „Sozial- partnerschaft“. Im Beruf beginnen sich bestehende Hierarchien aufzulösen, weil die jüngeren Führungskräfte nicht gleichzeitig ihren Vorgesetzten Gehorsam verweigern und von ihren Untergebenen Subordination fordern können.

Der Umbruch der Lebensverhältnisse unserer Gesellschaft ist dadurch gekennzeichnet, dass Selbstentfaltungswerte wie Emanzipation, Genuss, Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit die früher vorherrschenden Pflicht- und Akzeptanzwerte wie Gehorsam, Hinnahmebereitschaft, Disziplin und Selbstlosigkeit verdrängt haben.

Die Familie als soziale Gruppe ist zerbrechlicher geworden, weil auch die Machtansprüche der Familienmitglieder steigen. Auf der anderen Seite muss das Werte- und Steuerungssystem, das den Charakter der Führungskräfte bestimmt, neu justiert werden.

 

  

 

  • Wie können wir den Konflikt lösen?

Männer und Frauen können den Konflikt zwischen Beruf und Familie lösen, wenn sie lernen, ihr Verhalten zueinander zu ändern und nicht nur auf die familienfreundlichen Sozialleistungen des Staates und der Unternehmen zu warten.

Basis dieser Verhaltensänderungen ist der christliche Personbegriff des Seins und Mit-Seins, denn das Verhalten des einzelnen äußert sich immer im sozialen Zusammenhang des Verhaltens mit anderen. Selbstverwirklichung kann nie gegen, sondern nur mit anderen erfolgreich sein.

 

 

 

  • Die Schlüssel zur Lösung

 Drei Wege kann ich Ihnen anbieten, Ihr Verhalten in Beruf und Familie zu verändern. Sie alle sind erprobte, wissenschaftlich abgesicherte Wege, die sie aus eigener Kraft gehen können. Sie bieten Ihnen die Schlüssel zur Konfliktlösung über die Änderung Ihres Verhaltens:

 

1.Das Kohärenzgefühl der Salutogenese[4]

 Aaron Antonovsky hat in groß angelegten

Reihenuntersuchungen herausgefunden, dass Mensche ein und denselben existenzbedrohenden Konflikt besser, oder weniger gut überstanden haben. Sind die einen an dem Konflikt beinahe zerbrochen, haben andere den Konflikt nahezu unbeschadet überwunden. Er hat nach den Gründen gefragt und entdeckt, was er später als Kohärenzgefühl bezeichnet hat:

 

Wenn ein Mensch einen Konflikt versteht und ihn für handhabbar erkennt, ihm Ressourcen zur Handhabung zur Verfügung stehen und er es für sinnvoll erachtet, den Konflikt zu lösen, wird er ihn leichter und besser lösen als andere.

Er gehört zu den ca. 28% der Menschen, die durch ihre Erziehung und ihre positive Lebenserfahrung ein größeres Kohärenzgefühl entwickelt haben als andere.

Die Ressourcen, die er braucht und meist bereits in der Kindheit erworben hat, sind emotionale Bindung, Gefühl und Liebe sowie emotionale Intelligenz und Kompetenz.

Das Konzept der Salutogenese haben wir auf den Konflikt zwischen Beruf und Familie übertragen und können feststellen:

Mit Selbstachtung werden die Ehepartner lernen, ihr unterschiedliches Beziehungsverhalten zu akzeptieren, zu beeinflussen, zu differenzieren und partnerschaftlich miteinander umzugehen.

 

 2. Die Dienende Führung[5]

 Das herkömmliche Führungskonzept nach dem die Führungskraft die Unternehmensziele durch Anweisung, Motivation und Kontrolle ihrer Mitarbeiter erreicht, wurde durch das Konzept der Dienenden Führung  weiterentwickelt. Robert Greensleaf hat in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts das Konzept der „Dienenden Führung (Servant Leadership)“ entwickelt. Heute leiten bereits mehr als 30% der bestgeführten Unternehmen der USA ihre Unternehmen nach dem Prinzip der „Dienenden Führung“. Die künftige Führungskraft wird die Unternehmensziele dadurch erreichen, dass sie ihre Mitarbeiter so unterstützt, dass sie ihre Abteilungs- und Bereichsziele erreichen, die sich dann zum Unternehmensziel zusammenfügen.

 

Die Führungskraft wird zum Diener ihrer Mitarbeiter. Sie führt uneigennützig und integer. Wenn wir dieses Prinzip aber nicht  nur auf den Beruf sondern auch auf die Familie übertragen, dann entsteht vor uns der Ehepartner, der der Diener seiner Familie ist – der dienende Familienführer.

 

3. Koevolution[6]

 Jörg Willi beschreibt in seinem Buch „Die Kunst des gemeinsamen Wachsens“ einen Lösungsansatz für den ethisch-soziologischen Wandlungsprozess, den die Familie seit Jahrzehnten mit zunehmender Geschwindigkeit durchläuft.

Wenn es den Ehepartnern gelingt, sich in neuer Rollenvielfalt zu einer gerechten Verantwortungs- und Pflichtenteilung über einen längeren Zeitraum zu vereinbaren, können sie eine gemeinsame konfliktärmere Welt gestalten.

Diese Lösungsansätze nennen wir „Vereinbarungskarrieren“. Zwei Partner vereinbaren über einen Lebensabschnitt hinweg, ihre Rollen neu zu verteilen und sich gemeinsam weiter zu entwickeln, ohne im anderen aufzugehen. Dies erfordert sowohl Selbstvertrauen als auch Rücksichtnahme auf die Wünsche und Lebensziele des Partners.

Alle drei Lösungsansätze sind Werkzeuge für ein konfliktärmeres, partnerschaftliches Leben in Familie und Beruf. Sie fallen einem nicht in den Schoß, sondern erfordern harte Arbeit an sich selbst und der Gemeinschaft von Mitarbeitern und Familienmitgliedern, für die man sich verantwortlich fühlt. Ohne den nachhaltigen Willen, sein Verhalten in Beruf und Familie zu verändern, wird man nicht erfolgreich sein.

 

 

 

  •   Chancen für unsere Wertegemeinschaft

 Alle drei Lösungsansätze bieten Vorteile und Chancen für die Kirche, denn bei Menschen mit hohem Kohärenzgefühl, die bereit sind, dienend zu führen, und auf gemeinsame Koevolution ausgerichtet handeln, kehrt die Spiritualität in die Familie zurück. Das Gestalten einer gemeinsamen Familienwelt mit gemeinsamen Erlebnissen, Ritualen, vielleicht sogar Mythen, stabilisiert die Familie durch mehr spirituellen Zusammenhalt.

 

 

 

  • Perspektiven und Handlungsbedarf

 Die großen gesellschaftlichen Herausforderungen liegen in der Zukunft. Denn wenn viele Menschen ihr Verhalten im Sinne der drei individuellen Lösungsansätze ändern, entsteht ein kollektiver Druck, der gesellschaftliche Veränderungen fordert.

Bis heute stehen sich Unternehmensethik und Familienethik wie zwei eherne Blöcke gegenüber. Die Unternehmensethik basiert nach wie vor auf Hierarchien – es gibt ein Oben und Unten. Die Familienethik, die von Paaren getragen wird, die beide eine gute Ausbildung haben, ist auf Partnerschaft und Gleichberechtigung ausgerichtet.
Gesellschaftlich werden wir den Konflikt zwischen Beruf und Familie nur dann nachhaltig lösen, wenn es gelingt, Unternehmens- und Familienethik einander anzugleichen, wenn möglich sogar zur Deckung zu bringen.

Dann werden eine partnerschaftlich dienende Führung im Beruf und eine dienende Führung in der Familie entstehen. Selbstmanagement und Beziehungsmanagement sind die Stellschrauben für diese Entwicklung. Die Christliche Soziallehre kann den Weg weisen.

Das ist ein erster, allgemeiner Überblick über Lösungsansätze, eine Balance zwischen Beruf und Familie zu erreichen. Wenn Sie mit mir weiter ins Detail gehen wollen, beantworte ich gerne Ihre Fragen und danke Ihnen für ihre Aufmerksamkeit.



[1] Bueb, B., Lob der Disziplin, List Verlag, Berlin, 2006, S. 42-43        

[2] Brazelton, T.B., Vorwort zu „Heart Start“, The Emotional Foundations of School Readiness, Nation Center for Clinical Infant Programs, 1992;  Brazelton, T.B., Vorwort zu „Heart Start“, The Emotional Foundations of School Readiness, Nation Center for Clinical Infant Programs, 1992   

[3] Goleman, D., Emotionale Intelligenz, Karl Hauser Verlag, München, Wien 1996

[4] Antonovsky, A. „Salutogenese“ Zur Entmystifizierung der Gesundheit, Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie, Tübingen 1997

[5] Greensleaf, R. K., Führen ist Dienen – Dienen ist Führen, The Greensleaf Center of Servant Leadership, Wiley J. Sons, New York, 2005

[6] Willi, J., Ko-evolution – Die Kunst des gemeinsamen Wachsens. Rowohlt Verlag Reinbek bei Hamburg, 1985